Wie kann ich mit meinem Müll die Welt retten? – Zu Besuch im Heizkraftwerk Rosenheim

Was passiert eigentlich mit unserem Müll, nachdem die Müllabfuhr ihn abgeholt hat? Wird er einfach verbrannt – oder steckt darin vielleicht noch viel mehr? Unter dem Motto „Wie kann ich mit meinem Müll die Welt retten?“ machten sich Mitglieder unseres Trachtenvereins auf den Weg zu einer Führung durch das Heizkraftwerk Rosenheim. Besonders erfreulich war, dass auch zahlreiche Kinder und Jugendliche unserer Jugendgruppe mit dabei waren und einen spannenden Blick hinter die Kulissen werfen konnten.

Bevor es allerdings in die technischen Anlagen ging, begann der Besuch mit einer kleinen Unterweisung durch unseren Vorplattler Hans. Anschließend nahm die Gruppe im Schulungsraum des Heizkraftwerks Platz. Dort erhielten wir zunächst einen Überblick über die Aufgaben und die Funktionsweise der Anlage und erfuhren, welchen Beitrag die Müllverbrennung zur Energieversorgung und Abfallverwertung in Rosenheim leistet.

Danach begann der eigentliche Rundgang durch die verschiedenen Bereiche des Heizkraftwerks.

Eine der ersten Stationen war die Müllannahme. Rund 67.000 Tonnen Müll werden in Rosenheim jährlich verbrannt, davon etwa 17.000 Tonnen Hausmüll. Welche Dimensionen sich hinter diesen Zahlen verbergen, wurde spätestens beim Blick in den großen Müllbunker deutlich.

Beim Kranführer konnten wir beobachten, wie der angelieferte Müll aufgenommen und bewegt wird. Dabei erfuhren wir auch, warum der Müll vor der Verbrennung immer wieder durchmischt werden muss. Nur durch eine möglichst gleichmäßige Mischung kann anschließend eine entsprechend gleichmäßige Verbrennung gewährleistet werden.

Besonders beeindruckend war der Blick in die Brennkammer. Bei Temperaturen von bis zu rund 1.200 Grad Celsius wird der Müll dort verbrannt. Die dabei entstehende Wärme wird jedoch nicht einfach ungenutzt an die Umgebung abgegeben, sondern zur Energiegewinnung genutzt.

Auch nach der Verbrennung ist der Weg der Abfälle noch nicht zu Ende. Wir konnten uns die sogenannte Schlacke ansehen, die nach dem Verbrennungsprozess zurückbleibt. Bestandteile davon können nach entsprechender Aufbereitung wiederverwertet und beispielsweise im Straßenbau eingesetzt werden. Damit wird deutlich: Selbst aus den Reststoffen der Müllverbrennung können noch verwertbare Materialien gewonnen werden.

Eine weitere Station unserer Führung war die Leitwarte – gewissermaßen das technische Herzstück der Anlage. Von hier aus werden die unterschiedlichen Prozesse des Müllheizkraftwerks überwacht und gesteuert. Zahlreiche Messwerte und technische Systeme sorgen dafür, dass der Betrieb kontrolliert und sicher abläuft.

Gerade für unsere Kinder und Jugendlichen gab es während der Führung viel zu entdecken. Der Weg des eigenen Mülls, der sonst mit dem Müllauto scheinbar einfach verschwindet, wurde plötzlich sichtbar und greifbar. Gleichzeitig zeigte die Führung, wie viel Technik und Aufwand notwendig sind, um aus unseren Abfällen noch einen möglichst großen Nutzen zu ziehen.

Und können wir mit unserem Müll nun die Welt retten?

Ganz so einfach ist es natürlich nicht – aber unser Besuch hat gezeigt, dass Abfall einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Kreislauf- und Energieversorgung leisten kann. Durch die Verbrennung wird Energie gewonnen, verwertbare Reststoffe werden weitergenutzt und moderne Filter- und Reinigungsverfahren reduzieren die bei der Verbrennung entstehenden Schadstoffe erheblich.

Gleichzeitig müssen deutlich weniger Abfälle dauerhaft abgelagert werden. Unbehandelter Hausmüll darf in Deutschland bereits seit 2005 nicht mehr einfach auf Deponien abgelagert werden. Stattdessen steht heute eine möglichst sinnvolle Verwertung im Vordergrund.

Eine interessante Erkenntnis des Tages war außerdem, dass Rosenheim mit seinem Müllheizkraftwerk im Vergleich zu vielen anderen Standorten eine relativ kleine Anlage betreibt – und dennoch Jahr für Jahr zehntausende Tonnen Abfall verwertet und daraus Energie gewinnt.

So konnten wir am Ende unsere Ausgangsfrage zumindest mit einem Augenzwinkern beantworten: Ja, auch mit unserem Müll können wir ein kleines Stück dazu beitragen, die Welt zu retten – am besten natürlich mit dem Müll, der sich zuvor weder vermeiden noch sinnvoll wiederverwenden oder recyceln lässt.

Ein herzliches Dankeschön gilt unserem Vorplattler Hans für die Organisation dieses interessanten Ausflugs sowie allen Verantwortlichen des Heizkraftwerks Rosenheim für die informative Führung und die spannenden Einblicke hinter die Kulissen.

Fotos: Huber, M.; Spielvolgl; Löw; Ertl, D.

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